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| Gegenstand heißer Diskussion: Das Buch von Thilo Sarrazin |
Die Diskussion um Thilo Sarrazins Buch »Deutschland schafft sich ab« hat ein Thema zurück auf die Tagesordnung gebracht, das seit einiger Zeit, schon aus finanziellen Erwägungen heraus, ein Schattendasein führte: Die allgemeine Kindergarten- bzw. Vorschulpflicht. Auf den Inhalt von Sarrazins Buch selbst möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, da ich es noch nicht gelesen habe. Da ich jedoch die Diskussionen dazu aufmerksam verfolgt habe, fällt mir folgendes auf: Politiker sind nun hektisch darum bemüht, den Schaden für sich und ihre jeweiligen Parteien klein zu halten. Wild-aktionistische Vorschläge schwirren durch die Nachrichten. Dazu gehören auch Meldungen wie der Vorschlag von Klaus Wowereit, einen Besuch der Kita oder Vorschule nach dem ersten Lebensjahr verpflichtend für alle zu verordnen, damit auch Kinder fremdsprachiger Eltern zuverlässig vor dem Schuleintritt die deutsche Sprache erlernen können.
Hierzu sage ich nur eines: NEIN! Ich bin entschieden gegen jede Vereinheitlichung im Sinne der Gleichmacherei. Die Lebensentwürfe von Familien sind viel zu unterschiedlich, als dass den Herausforderungen der Zukunft mit einer pädagogischen Monokultur entgegengetreten werden könnte. Ziel des Staates sollte es sein, vielfältige Angebote zu organisieren, die den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden. Kinder berufstätiger Eltern bzw. Alleinerziehender benötigen unter Umständen Ganztagsbetreuungsplätze, wenn die Betreuung nicht familienintern organisiert werden kann. Eltern in Teilzeitarbeit reicht womöglich ein Halbtagesplatz, oder sie entschließen sich, ihre Arbeitszeiten so zu organisieren, dass sie sich mit der Kinderbetreuung abwechseln können. Nun allen Eltern per sé die Erziehungsfähigkeit abzusprechen und ihnen die Kinder von Staats wegen faktisch wegzunehmen, käme einem Bruch des Grundgesetzes gleich, das die Erziehung der Kinder als natürliche Pflicht der Eltern definiert.
Was soll der Staat tun, wenn Eltern ihrer Erziehungspflicht nicht nachkommen (können)?
Es ist ein Unding, nun die Millionen von Eltern, die ihrer Aufgabe liebevoll und verantwortungsbewusst nachkommen, indirekt kriminalisieren zu wollen, indem man konstatiert, die Kinder seien in einer Kita besser aufgehoben als in ihrem eigenen Heim. Eltern sollten sich gegen diese Zumutung mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln schon im Vorfeld wehren. Mein Vorschlag zur Lösung des Dilemmas ist ein anderer:
Mit ungefähr vier Jahren sollte ein verbindlicher Sprachtest für alle Kinder durchgeführt werden. Bei Nichtbestehen (das heißt: auffälligen Defiziten in der Sprachentwicklung bzw. dem Beherrschen der Landessprache) könnte der Besuch einer gezielten Vorschule angeordnet werden. Wie gesagt: Zum Ausgleich der Defizite, nicht, um die staatliche Lufthoheit über die Kinderbetten zu erlangen, wie dies einigen Politikern wohl heimlich vorschwebt.

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